Programm

Mittwoch:

19 Uhr:

Aufktaktplenum

20 Uhr:

Rechte Mobilisierung auf der Straße. Zwischen Hooligans und besorgten Bürgern.
Referenten: Mark Haarfeldt & Peter Römer

Der Oktober 2014 war ein Schicksalsmonat für fremdenfeindliche Bewegungen. Am 26.10.2014 mobilisierten die “Hooligans gegen Salafisten” scheinbar aus dem Nichts eine Allianz aus fast 5.000 Neonazis und Hooligans in Köln. Da die „HoGeSa“-Demonstration Salafismus und Islamismus zum Thema hatte, wirkt sie heute wie ein Vorbote der gesellschaftlichen Debatten seither. Rechte Hooligans, einst als überalterte Subkultur verschrien, drängten so wieder ins Rampenlicht, dieses Mal jedoch nicht im Stadion. Sie konnten dabei auf langjährige Vernetzung untereinander bauen. Das Bündnis zeigte bereits deutliche Auflösungserscheinungen, die Langzeitfolgen von “HoGeSa” sind aber noch nicht absehbar. Peter Römer ordnet so Entstehung, Entwicklung und Resonanz der Großdemonstration ein.

Im selben Monat „spazierten“ erstmals auch die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ jeden Montag durch die Dresdner Innenstadt. Ihr Ziel ist es, eine „Islamisierung“ aufzuhalten, die mit den Zuzug von geflüchteten Menschen aus dem Nahen Osten eklatant wurde. Pegida expandierte bundesweit in mehrere Städte, konnte aber nur in Dresden kontinuierlich mehrere tausend Menschen mobilisieren. Pegida initiierte politische Impulse, die sowohl in den Medien wie auch in der politischen Debatte zum Tragen kamen. Mark Haarfeldt möchte in seinem Vortragsteil die Struktur von Pegida darstellen, deren politische Botschaft skizzieren und die Auswirkungen beleuchten, die nicht nur Sachsen betreffen.“

Donnerstag:

10 Uhr:

Graffiti-Workshop

12 Uhr:

Mittagspause + Essen

13:30 Uhr:

Geschichte des Widerstands gegen Rechts

Dieser Vortrag behandelt die Geschichte der Bewegung gegen die radikale Rechte von den 70ern bis heute.
Nur wer die eigene Geschichte kennt kann aus ihr lernen. In einer Bewegung ohne feste Organisationsstrukturen gehen leider viele Erfahrungen verloren, dieser Vortrag möchte einen kleinen Beitrag dazu leisten, dem entgegen zu wirken. Deshalb zeichnet dieser Vortrag die Geschichte des Widerstandes gegen Rechts nach. In den 70er Jahren entstanden Taktiken und Vorgehensweisen, welches bis heute angewandt werden, um Rechtsradikalen das Handwerk zu legen. In den 80er Jahren setze dann ein kritisches Nachdenken über Methoden und Ziele des Widerstands gegen Rechts ein, welche bis heute Relevanz haben. Besonderes Augenmerk des Vortrags liegt jedoch auf den Erfahrungen und Debatten der 90er und 2000er Jahre, da diese die heutige Bewegung gegen Rechts geformt habe. Der Vortrag zeigt dabei auf, dass es Debatten gibt, welche immer wieder neu geführt werden.

Pressearbeit für linke AktivistInnen
Referent_in: Antifa Essen Z
Journalistinnen interessieren sich nicht für unsere Arbeit, Redakteure wollen nicht so wie wir. Außerdem hat doch sowieso jede Polit-Gruppe ihren eigenen Blog und eine Facebook-Seite. Reicht das nicht? Nein! Denn auch im digitalen Zeitalter sind Zeitungsartikel, Fernsehbeiträge oder Radio-Interviews eine der besten Möglichkeiten, tausende Menschen weit über Szenegrenzen hinaus zu erreichen. Der Vortrag erklärt, was Ihr beim Umgang mit Journalisten beachten müsst, worüber Medien berichten und was eine Pressemitteilung für die Redakteurin interessant macht. Wer will, kann im Anschluss selbst eine Pressemitteilung verfassen und zur Diskussion stellen.

15:30 Uhr:

Pause

16:00 Uhr

Einführung in die Kapitalismuskritik

Referent: Markus Reiß

Die Vordenker der bürgerlichen Gesellschaft versprachen sich vom System des freien Marktes Wohlstand und Glück für alle Menschen. Die Realität bestätigt diesen Optimismus jedoch nicht: Ausbeutung, Leistungsdruck und wirtschaftliche Krisen bestimmen den Alltag der kapitalistischen Ökonomie. Und nach wie vor müssen in den weniger privilegierten Regionen dieser Welt Menschen verhungern.
Im Kapital zeigt Marx, dass solche moralisch verwerflichen Phänomene notwendige Implikationen kapitalistischer Vergesellschaftung sind – dabei jedoch keineswegs auf böse Intentionen einzelner kapitalistischer Unternehmen zurückgeführt werden können. Denn die Handlungen und Entscheidungen kapitalistischer Unternehmen sind Folge einer Handlungsrationalität, die die ökonomische Struktur der kapitalistischen Gesellschaft den einzelnen Marktteilnehmer_Innen aufzwingt.
In Form einer Einführung in die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie möchte der Vortrag einen Vorschlag machen, wie diese “abstrakte Herrschaft” der kapitalistischen Verhältnisse angemessen erfasst und kritisiert werden kann – und zwar so, dass diese Kritik sich nicht vor ihren eigenen Ergebnissen fürchten muss.

Workshop: Gewaltprävention und Selbstverteidigung (all genders)

18:00 Uhr:

Pause und Essen

19:30 Uhr

Der Staat des Kapitals – Einführung in materialistische Staatstheorie
Referent: Ingo Elbe

Gesellschaftskritik und emanzipatorische Praxis müssen eine Haltung zum modernen Staat einnehmen. Doch gerade die Reduktion von Kapitalismus- auf Neoliberalismuskritik, die in den letzten Jahrzehnten zu verzeichnen ist, hat nicht dazu beigetragen, einen angemessenen Begriff des Staates zu entwickeln, sondern eher dazu, eine bestimmte Wunschvorstellung vom Staat als Vertreter des Gemeinwohls, als dem Kapital äußerlicher Instanz zu befestigen.
Um solchen Illusionen zu begegnen, ist es angebracht, sich an Erklärungsansätze moderner Staatlichkeit zu erinnern, die im Werk von Karl Marx zu finden sind. Dabei wird sich zeigen, dass weder die marxistisch-leninistische Behauptung vom Staat als ‚Instrument’ der Kapitalisten, noch die konservative bis sozialdemokratische Idee des Staates als ‚Wirklichkeit der sittlichen Substanz’ oder ‚Anwalt der kleinen Leute’ der Wahrheit entspricht.
Allerdings sind auch manche Staatskritiken oft undifferenziert und können sogar bisweilen neoliberale und faschistische Positionen vertreten.
Dr. Ingo Elbe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Privatdozent am Institut für Philosophie der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. 2010 erschien in 2. Aufl. sein Buch Marx im Westen. Die neue Marx-Lektüre in der Bundesrepublik. Zum Thema Staatstheorie erschien außerdem: Staat der Kapitalisten oder Staat des Kapitals? Rezeptionslinien von Engels’ Staatsbegriff im 20. Jahrhundert. In: S. Salzborn (Hg.): ‘… ins Museum der Altertümer‘. Staatstheorie und Staatskritik bei Friedrich Engels. Baden-Baden 2012. 2015 erschien sein Buch Paradigmen anonymer Herrschaft. Politische Philosophie von Hobbes bis Arendt. Würzburg. Online-Texte unter rote-ruhr-uni.com

Freitag:

10 Uhr:

Die blutige Spur des Kapitalismus – Armut als moralisches Problem

Selbst nach vorsichtigen Berechnungen produziert der Kapitalismus jährlich 18 Millionen Armutstote und eine gigantische Anzahl Menschen leben unter elenden Bedingungen. Dieser Vortrag untersucht, was sich daraus für moralische Konsequenzen für die Einzelnen ergeben.
Auch bürgerliche Denker können das katastrophale Ausmaß der globalen Armut nicht leugnen. Für die meisten von ihnen ist jedoch klar, „wir“, der reiche Westen, sind dafür nicht verantwortlich, sondern versuchen im Gegenteil die Armut zu bekämpfen. Die Ursachen für Armut sehen sie in den politischen und kulturellen Bedingungen der sogenannten Dritten Welt. Dementsprechend diskutieren sie nur, wieviel Hilfe „wir“ leisten müssen. Im Gegensatz dazu wird dieser Vortrag aufzeigen, dass die Armut vieler Menschen ein direktes Resultat des auf Ausbeutung basierenden Reichtums eines anderen Teils der Menschen ist.
Gleichzeitig haben die wenigsten Menschen hier im reichen Westen vor andere auszubeuten oder sind sich dessen überhaupt bewusst. Sie folgen nur dem gesellschaftlich vorgegebenen Muster aus Lohnarbeit und Konsum. Wenn die Ausbeutung aber oft unbewusst oder sogar indirekt erfolgt, wer ist dann für die 18 Millionen Armutstoten verantwortlich? Welche moralischen Konsequenzen und Pflichten ergeben sich für uns als Mitglieder reicher Gesellschaften aus dieser Situation?

Erfolgreich organisieren

Referent_in: Antifa Essen Z

Sich organisieren, das ist leichter gesagt als getan. Ungleiche Arbeitsbelastung, politische oder zwischenmenschliche Konflikte, Stress mit Bullen, Eltern oder Nazis und allgemeine Konzeptlosigkeit sind typische Probleme, mit denen viele Gruppen gleich nach der Gründung konfrontiert werden. Der Vortrag erklärt, weshalb es trotzdem sinnvoll ist, sich in politischen Gruppen zu organisieren, und wie man einen konstruktiven Umgang mit den genannten Problemen finden kann. Zudem werden Themen wie Gruppenstruktur, Kommunikation und Selbstschutz angesprochen und verschiedene mögliche Betätigungsfelder für antifaschistische Gruppen vorgestellt.

12:00 Uhr

Mittagspause + Essen

13:30 Uhr

Elemente des Rassismus
Referent: Markus Reiß

Rassismus hat viele Artikulationsformen: Wenn Deutsche am Stammtisch hetzen, ethnisch interessierte Kulturfreunde „typisch afrikanische“ Trommeltänze für sich entdecken oder Menschen – je nach Verwertbarkeit oder Nichtverwertbarkeit – ins Land geholt oder abgeschoben werden. Wirtschaftliche Motive spielen hier ebenso eine Rolle wie der ideologische Glaube an natürliche Kollektiveigenschaften von Volksgruppen, die “von Natur aus verschieden sind und von Natur aus getrennt bleiben sollten”.
Auf der Grundlage von Marxens „Kritik der politischen Ökonomie“ und der kritischen Sozialpsychologie der Frankfurter Schule will der Vortrag die ökonomischen und psychopathologischen Mechanismen aufzudecken, die rassistischer Ideologie zu Grunde liegen.
Zudem wird der Vortrag das Verhältnis von Antirassismus und Islamkritk thematisieren: Salafist_Innen rekrutieren an sog. LIES-Ständen KämpferInnen für den IS und in DITIB-Moscheen wird ein ultra-orthodoxer Islam propagiert mit schariatischen und türkisch-nationalistischen Tendenzen. All das fällt ebenso in den Gegenstandsbereich einer emanzipatorischen Gesellschaftskritik wie rechte und rechtsextreme Bewegungen. Der Vortrag geht der Frage nach, wie eine Islamkritik aussehen könnte, die weder verschweigt noch in undifferenzierten Populismus verfällt.

Randale, Bambule und ihre Folgen – “Out of Action” stellt sich vor

Referent_in: “Out of Action”-Gruppe

In der Auseinandersetzung mit Faschos und Bullen haben wir immer wieder Scheißerlebnisse wie Verletzungen oder Frust. Diese hinterlassen nicht nur körperliche Spuren, sondern nehmen uns auch psychisch mit. Allerdings werden diese nicht sichtbaren Folgen in der Szene häufig nicht wahrgenommen. Dies führt u.a. dazu, dass Aktivist*innen sich zurückziehen oder Gruppen Strukturen entwickeln, die wir selbst eigentlich nicht wollen. “Out of Action” hat genau dies zu ihrem Thema gemacht und arbeitet zu traumatischen Erlebnissen und Stress bei politischem Engagement. Die Gruppe “Out of Action”-Gruppe im Ruhrgebiet stellt sich vor und gibt in einem Vortag einen kurzen Einstieg in das Thema. Dabei und danach kann gerne mitdiskutiert werden.

15:30 Uhr:

Pause

16:00 Uhr:

Workshop: Gewaltprävention und Selbstverteidigung (für weiblich definierte Menschen)

Einführung in die Kritik des Nationalismus
Referent: Mark van Eijk

Fast alle Menschen begreifen sich als Angehörige einer Nation und beziehen sich positiv auf die jeweils „eigene“ Nation. Doch dient die positive Bezugnahme auf eine Nation – der Nationalismus – nicht einzig der Orientierung in komplexen gesellschaftlichen Verhältnissen, schließlich sind auch Kriege und Alltagskonflikte nicht selten nationalistisch motiviert. Der Nationalismus stellt somit eine der wirkungsmächtigsten und gefährlichsten Ideologien der Gegenwart und der jüngeren Vergangenheit dar. Doch was macht den Nationalismus so attraktiv? Welche sozialen und ökonomischen Bedingungen beeinflussten die Entstehung von Nationalismen? Im welchen Verhältnis stehen der Nationalismus und der moderne Staat? Und wie erklären sozialpsychologische Theorien den Nationalismus? Diesen und weiteren Fragen soll im Rahmen des Vortrags nachgegangen werden.
Der Referent Mark van Eijk hat Politikwissenschaften und Soziale Arbeit studiert und beschäftigt sich gegenwärtig mit der Nationalismusanalyse der frühen Kritischen Theorie.

18:00 Uhr:

Pause + Essen

20:00 Uhr
Einführung in feministische Theorie und Gesellschaftskritik – Von prekären Allianzen, ‚unglücklichen Ehen’ und Interdependenzen

Referentin: Barbara Umrath

Kritik an den Geschlechterverhältnissen und utopische Entwürfe emanzipierter Geschlechterverhältnisse sind so alt wie die Kritik an der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Noch vor Marx und Engels, schon bei den FrühsozialistInnen, finden sich Kritik an patriarchaler Unterdrückung und Befreiungsvisionen, die neben ökonomischen Dimensionen auch die zwischenmenschlichen Beziehungen einschließen. Der Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert sieht eine erste Welle von Frauenbewegungen, der ab den späten 1960er Jahren eine zweite folgt. Zugleich ist der Status feministischer Kritik häufig ein prekärer: Dogmatischen MarxistInnen galt (und gilt) die „Frauenfrage“ etwa als „Nebenwiderspruch“; Geschlechterforschung wird heute im Feuilleton nicht selten als „unwissenschaftliche Ideologie“ verunglimpft.
Der Vortrag möchte einen Überblick über Bewegungen und Theorien vermitteln, die sich kritisch mit Geschlechterverhältnissen auseinandergesetzt haben und auseinandersetzen. Dabei wird es um (Haus-)Arbeit ebenso gehen wie um Geschlechtsidentitäten, Liebe und Sexualität.
Zur Referentin: Barbara Umrath war lange Jahre in feministischen Projekten in Deutschland und Mexiko aktiv. Aktuell arbeitet sie an einer Promotion zu Geschlecht und Kritischer Theorie.

Samstag

10 Uhr:

Die aktuelle Situation in der Türkei

Referent: Danyar Casar

Nicht, dass es Hoffnung gegeben hätte in ein Militär, das unter “Frieden im Land” alles andere als ein Ende der Staatsfront im Südosten versteht, wo es mit einer Parallelstruktur aus Grauen und Grünen Wölfen wie die berüchtigten Esedullah, die „Löwen Allahs“, aus Cizre, Nusaybin und Sur-Diyarbakır eine einzige Ruine gemacht hat und auf den zerschossenen Fassade die Morddrohung prangt: „Es gibt nur einen Gott und seine Armee ist die türkische“. Was aber das Europa der Kumpanei zunächst für einen „Triumph der Stabilität und der demokratischen Institutionen“ hielt, ist in aller Konsequenz die Verdichtung einer noch viel bedrohlicheren Staatsfront: die Tilgung der letzten etwaigen Abtrünnigen in Militär und Justiz und die freie Assoziation der Freiheitsfeinde. Über die ideologischen Konstellationen der türkischen Katastrophenpolitik und die Residuen individueller und kollektiver Widerstände hiergegen spricht Danyal Casar, Autor von Cosmoproletarian Solidarity, der Jungle World und Sans Phrase.

Projektionen der Kurve. Zur Aktualität des Antisemitismus im Fußball

icht nur auf politischen Demonstrationen und in vielen europäischen Städten kommt es in erschreckender Regelmäßigkeit zu antisemitischen Anschlägen, Ausfällen und Übergriffen. Auch in Fußballstadien ist er Dauergast. Der Fußball präsentiert sich als Zerr- und Spiegelbild der Gesellschaft: So äußert sich Antisemitismus hier häufig aufbesonders vulgäre Weise, wie zum Beispiel im sogenannten „U-Bahn-Lied“. Durch bestimmte Charakteristika des Sports, etwa dem omnipräsenten Freund-Feind-Schema, der Konstruktion des Anderen sowie falscher Ökonomiekritik, kommt der Fußball gleichzeitig besonders gut der projektiven Funktionsweise des Antisemitismus entgegen.

In der kritischen Auseinandersetzung wird im Fußballkontext leider häufig auf die üblichen Deutungsmuster zurückgegriffen: Als Teil einer endlos zu verlängernden Reihung sogenannter Ausgrenzungsmechanismen gerät die Spezifik des antisemitischen Ressentiments aus dem Blick. Der Vortrag will versuchen eine gegenstandsbezogene Kritik des Antisemitismus zu leisten. Es sollen wesentliche Elemente herausgestellt und Erscheinungsformen sowie Funktionsweisen insbesondere in der Welt des Fußballs erläutert werden.

12:30 Uhr:

Abschlussplenum